Aus meiner Erfahrung heraus erleben viele Betroffene dabei einen scheinbaren Widerspruch: Sie wissen mit dem Verstand, dass wahrscheinlich nichts Schlimmes passieren wird. Trotzdem reagiert ihr Körper, als befänden sie sich in akuter Gefahr. Herzklopfen, Schwindel, Druck auf der Brust, Zittern oder Atemnot wirken dann wie ein Beweis dafür, dass tatsächlich etwas nicht stimmt. Genau hier beginnt häufig der Teufelskreis der Angst.
In diesem und dem kommenden Beitrag versuche ich möglichst verständlich zu erklären, was dabei in deinem Körper und in deinem Denken geschieht. Woran Du eine mögliche Angst- oder Panikstörung erkennen kannst und wie 11 einfache Regeln dir vielleicht helfen können. So kannst Du beginnen Deiner Angst Schritt für Schritt weniger Macht zu geben.
! Wichtiger Hinweis !Mein Beitrag dient dir zur Information. Er ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch eine psychotherapeutische Diagnostik oder Behandlung. Neu auftretende, ungewöhnliche oder starke körperliche Beschwerden solltest du medizinisch immer abgklären.
Wusstest du, dass Angst zunächst ein Schutzprogramm ist?
Diese Reaktion kann ausgesprochen unangenehm sein, ist bei realer Gefahr aber sinnvoll. Bei einer Angststörung reagiert das Alarmsystem zu empfindlich oder in Situationen, die objektiv ungefährlich oder deutlich weniger gefährlich sind, als sie sich anfühlen. Man könnte von einem echten Alarmgefühl bei einem Fehlalarm sprechen.
Das bedeutet nicht, dass deine Beschwerden eingebildet sind. Herzrasen, Schwindel oder Zittern sind real. Häufig wird jedoch ihre Bedeutung falsch eingeschätzt: Aus „Mein Körper ist gerade stark aktiviert“ wird im Kopf beispielsweise „Ich bekomme einen Herzinfarkt“, „Ich kippe gleich um“ oder „Ich verliere die Kontrolle“.
Der Teufelskreis der Angst
1. **Ein Auslöser tritt auf.** Du bemerkst zum Beispiel Herzklopfen, Wärme, Unsicherheit oder ein Gefühl von Enge.
2. **Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Gefahr.** Du beobachtest deinen Körper besonders genau und suchst nach weiteren Anzeichen.
3. **Die Empfindung wird bedrohlich bewertet.** Du bemerkst Gedanken wie: „Das ist gefährlich“, „Ich breche zusammen“ oder „Alle werden sehen, dass mit mir etwas nicht stimmt“.
4. **Die Angst steigt.** Dein Alarmsystem reagiert stärker. Puls, Atmung und Muskelspannung verändern sich weiter.
5. **Die stärkeren Körperreaktionen scheinen die Befürchtung zu bestätigen.** Aus Herzklopfen wird vermeintlich ein Herzproblem, aus Benommenheit die Erwartung einer Ohnmacht.
6. **Flucht, Vermeidung oder Sicherheitsverhalten bringen kurzfristige Erleichterung.** Du verlässt den Ort, setzt dich nur in Türnähe, kontrollierst ständig deinen Puls oder gehst nur noch mit einer Begleitperson hinaus.
7. **Langfristig lernt das Gehirn die falsche Lektion.** Nicht „Ich hätte die Situation bewältigen können“, sondern „Nur weil ich geflohen bin oder mich abgesichert habe, ist nichts passiert.“ Beim nächsten Mal reagiert deine Angst deshalb oft noch früher.
Kurz gesagt:
**Auslöser → bedrohliche Bewertung → körperlicher Alarm → stärkere Empfindungen → noch bedrohlichere Bewertung → Angst oder Panik → Vermeidung und kurzfristige Erleichterung → langfristige Stabilisierung der Angst**
Dieser Kreislauf erklärt auch die sogenannte Angst vor der Angst. Du fürchtest nicht mehr nur eine bestimmte Situation, sondern bereits die Möglichkeit, erneut Angst oder eine Panikattacke zu erleben.
Woran kannst du eine mögliche Angststörung erkennen?
Nicht jede starke Angst ist eine Erkrankung. Auch eine einzelne Panikattacke bedeutet noch nicht, dass eine Panikstörung bei dir vorliegt. Eine professionelle Abklärung ist vor allem dann sinnvoll, wenn mehrere der folgenden Punkte zutreffen:
- Die Angst ist gemessen an der tatsächlichen Gefahr deutlich übermäßig.
- Sorgen oder Befürchtungen lassen sich nur schwer kontrollieren.
- Die Beschwerden treten wiederholt oder über einen längeren Zeitraum auf.
- Du vermeidest Orte, Tätigkeiten, Verkehrsmittel, soziale Situationen oder das Alleinsein.
- Du erträgst bestimmte Situationen nur mit Begleitperson, Medikamenten, ständiger Ablenkung oder anderen Sicherheitsvorkehrungen.
- Ein großer Teil deiner Aufmerksamkeit kreist um mögliche Gefahren, Körpersymptome oder die nächste Attacke.
- Beruf, Beziehungen, Freizeit oder Bewegungsfreiheit sind merklich eingeschränkt.
- Du leidest deutlich unter der Angst oder richtest deinen Alltag zunehmend nach ihr aus.
Angststörungen können unterschiedlich aussehen. Bei einer generalisierten Angststörung stehen anhaltende und schwer kontrollierbare angstvolle Gedanken über verschiedene Lebensbereiche im Vordergrund. Nach den auf gesund.bund.de beschriebenen Diagnosemerkmalen bestehen die übermäßigen Ängste an den meisten Tagen über mindestens sechs Monate, beeinträchtigen den Alltag und gehen mit zahlreichen Beschwerden einher.
Bei einer sozialen Angststörung wird vor allem die kritische Bewertung durch andere gefürchtet. Bei spezifischen Phobien richtet sich die Angst beispielsweise auf Tiere, Höhen, Spritzen oder das Fliegen. Bei einer Agoraphobie werden häufig Orte oder Situationen gefürchtet, aus denen eine Flucht schwierig erscheinen könnte oder in denen im Notfall keine schnelle Hilfe verfügbar wäre.
Wenn du unsicher bist ob du an einer Angststörung leidest, dann kannst du dich jederzeit an mich wenden. Gemeinsam schauen wir diagnostisch auf deine Symptome und ordnen diese entsprechend ein.
Woran erkennst du eine mögliche Panikstörung?
- Herzrasen, Herzklopfen oder Druck auf der Brust
- Atemnot, Engegefühl oder ein Gefühl des Erstickens
- Schwindel, Benommenheit oder Unsicherheit
- Zittern, Schwitzen, Hitze- oder Kälteschauer
- Übelkeit oder andere Magenbeschwerden
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle
- das Gefühl, die Umgebung sei fremd oder unwirklich
- Angst, die Kontrolle zu verlieren, ohnmächtig zu werden, „verrückt zu werden“ oder zu sterben
Für eine Panikstörung sprechen nicht nur die Attacken selbst. Typisch sind **wiederkehrende, unerwartete Panikattacken** und anschließend über mindestens einen Monat anhaltende Sorgen vor weiteren Attacken oder deutliche Verhaltensänderungen, etwa Vermeidung. Ob diese Kriterien erfüllt sind und ob eine körperliche Erkrankung, Medikamente, Drogen oder eine andere psychische Erkrankung die Beschwerden besser erklären, muss fachlich abgeklärt werden.
Wann du körperliche Beschwerden sofort abklären solltest.
Panik kann Beschwerden verursachen, die sich wie ein medizinischer Notfall anfühlen. Umgekehrt dürfen ernste körperliche Symptome nicht vorschnell als Angst eingeordnet werden. Melde dich bei akuter Lebensgefahr, neuen unerklärlichen starken Brustschmerzen, Atemnot, Bewusstlosigkeit, Lähmungserscheinungen oder anderen schweren und ungewohnten Beschwerden bei deinem Hausarzt oder Rettungsdienst unter **112**. Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist außerhalb der regulären Sprechzeiten unter **116 117** erreichbar.
Lese im folgenden Artikel wie dir 11 gezielte Tipps und Regeln helfen können Ruhe zu bewahren und die Angst zu unterbrechen.
Wer schreibt hier?
Mein Name ist Carsten Scheer. Als Heilpraktiker für Psychotherapie begleite ich Menschen bei unterschiedlichen psychischen und emotionalen Belastungen. In meiner Arbeit verbinde ich verschiedene moderne therapeutische Ansätze miteinander. Dazu gehören insbesondere Hypnotherapie, EMDR, Ego-State-Therapie, Traumatherapie sowie systemische Beratung. Gemeinsam entwickeln wir einen effektiven Weg, der zur jeweiligen Situation passt und neue Perspektiven sowie Heilung ermöglichen kann.
